Archiv | 30 Jahre Heimatverein Bonn-Oberkassel e.V


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Allgemeines

Am Beginn eines neuen Jahrtausends feierte der Heimatverein Bonn-Oberkassel e.V. den 25. Jahrestag seiner Gründung. Aus diesem Anlass laden wir Sie herzlich ein, nicht nur auf die letzten 25 Jahre zurückzuschauen.

Der Festakt am 17. Juni 2000 fand statt im Kath. Pfarrheim, Kastellstraße 21. Die Begrüßung sprach Willliy Hey, damals 1. Vorsitzender des Heimatvereins. Den Festvortrag hielt Dr. Manfred van Rey (Stadtarchivar) mit dem Titel " Oberkassel im Spiegel seiner Schriften".

Mehr zu diesem Thema finden Sie unter dem folgenden Link | Die Ausstellung

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Geschichte des Oberkasseler Wappens

Aus einem Schreiben des Oberkasseler Amtsbürgermeisters Walter Tersteegen vom 17. April 1935 an den Landrat in Siegburg:

"Das Amt Oberkassel hat sich bezüglich Einführung eines neuen Amtswappen mit dem Staatsarchiv in Düsseldorf in Verbindung gesetzt. In dem Staatsarchiv wurde festgestellt, dass ein Schöffensiegel für die Orte Dollendorf im Jahre 1429 vorhanden war. Dieses Schöffensiegel stellte die Figur des hl. Laurentius, ein Rost und eine Palme in den Händen haltend, dar. Seitlich des Heiligen waren 2 Wappenschilde angebracht. Rechts der quadrierte Schild des Herren von Heinsberg, links das geschachte Schild von Sponheim Löwenburg.

Auf Anraten des Staatsarchivs setzte ich mich mit dem Heraldiker Pagenstecher in Düsseldorf in Verbindung. Dieser hat auf Grund der oben aufgeführten Tatsache ein Wappen für das Amt Oberkassel .... entworfen. An der Stelle der Figur des hl. Laurentius ist ein Turm gesetzt worden, der ein altes römisches Kastell versinbilden soll. Es ist geschichtliche Tatsache, dass der Ort Oberkassel auf einem alten römischen Kastell erbaut worden ist. Beim Anfertigen von Gräben wurden alte Wasserleitungsrohre der ehemaligen römischen Festung in der Nähe der kath. Kirche und in der Kinkelstraße aufgefunden. Am unteren Ende ist durch einige Wellenlinien der Rhein dargestellt ..."

Das Recht zur Führung des Gemeindewappens wurde am 6. August 1935 wunschgemäß erteilt. Bis zur kommunalen Neugliederung und der damit verbundenen Eingemeindung Oberkassels nach Bonn führte das Amt Oberkassel ein eng an das Gemeindewappen angelehntes Amtssiegel.

 

Heute finden wir das Oberkasseler Wappen z. B. im Wappen der J.-M.-J.-Junggesellen-Schützenbruderschaft, auf den Kappen der Karnevalsgesellschaft Kaasseler Jonge, dem der alten Pferdetränke auf dem Marktplatz nachempfundenen Brunnen vor der Sparkasse KölnBonn und natürlich auf den grün-weißen Fahnen, die insbesondere zur Oberkasseler Kirmes an vielen Häusern wehen.

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Schriftenreihe des Heimatvereins Bonn-Oberkassel

  1. Hombitzer: Aus Vorgeschichte und Geschichte Oberkassels und seiner Umgebung
  2. Bergmann: Die früheren Höfe in Oberkassel (1979) vergriffen
  3. Hansmann, Hey, Offergeld, Steeg: Geschichte der Oberkasseler Straßen (1980) vergriffen
  4. Kinkel (Neudruck): Meine Kindheit – Meine Schuljahre (1982)
  5. Hey: Die Königsschilder der JMJ-Junggesellen-Schützenbruderschaft Bonn-Oberkassel 1794 (1984)
  6. Kraus: Lagerbuch des Hofes Haistilberg in Oberkassel (1987)
  7. Großjohann: Fachwerkhäuser in Oberkassel (1988) vergriffen
  8. Bauer: Die Steinzeitmenschen von Oberkassel (1989) vergriffen
  9. Kraus: Heinrich I. Herr von Löwenburg und der Wildpark Oberkassel (1990)
  10. Kraus: Weinbau in Oberkassel (1991)
  11. Hansmann, Hey u.a.: Oberkasseler Persönlichkeiten (1993)
  12. Hey: Oberkassel im Krieg und in der Nachkriegszeit (1939–1948)
  13. Hörnig: Alltag und Konfession in Oberkassel (1998)
  14. Wierich: Die Zipperstraße in Oberkassel, Häuser und Bewohner (1999)
  15. Holzapfel: Lävve on lävve losse – Anekdoten aus Oberkassel (2000)
  16. Bauer: Der Buschhof in Oberkassel – 750 Jahre Hofgeschichte (2001)
  17. Bauer: Die Steinzeitmenschen von Oberkassel (Neuauflage)
  18. Hey: Oberkassel im Spiegel alter Ansichtskarten (2005)
  19. Funck / Wierich: Erinnerungen an Oberkassel (2008)
  20. Hrsg: JMJ- Junggesellen-Schützenbruderschaft Bonn-Oberkassel von 1794 e.V.
    mit Heimatverein Bonn-Oberkassel: Die Königsschilder der Bruderschaft

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Altes Rathaus in Oberkassel: Sitz des Heimatvereins

Text und Bilder folgen (in Bearbeitung).

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Der Märchensee

Der Märchensee in der Felsenschlucht oberhalb von Oberkassel hatte schon immer eine fast mystische Bedeutung für unseren Ort. Kurz vor der Eröffnung des Naturtheaters am Märchensee zu Pfingsten 1925 schrieb die Oberkasseler Zeitung:


In unseren Kinderzeiten pilgerten wir nur dann zu dem todeinsamen und verlassenen Plätzchen, wenn im Frühjahr die jungen Dohlen flügge waren, und wir eine solche haben mussten, wenn wir im Sommer unseren Bedarf an Molchen und Karauschen decken wollten oder wenn die Zeit der Brombeerreife uns an die stille Stätte führte. Vielleicht betrat unser Fuß auf einer abenteuerlichen Kriegsfahrt oder einer ähnlichen außergewöhnlichen Gelegenheit den Ort, die übrige Zeit lag die Fuchskaule verlassen. Doch auch ihre Stunde kam, eines Tages war sie umgetauft und führte den pompösen Namen Märchensee. Ich kann mich heute noch nicht abfinden mit diesem Namen. Die Geschichte der Entdeckung des schönen Plätzchens ist entschieden anziehender als der neue Name. Kam da eines Tages ein Einsamer und suchte er gleich die tiefe, weltentrückte Felsenstelle. Dabei fiel ihm auf, wie klar man jeden gesprochenen Laut, jede Vogelstimme von allen Seiten und bei ziemlicher Entfernung vernehmen konnte. Eines Tages wanderte er wieder der Stelle zu. seine Geige trug er unter dem Arm. Herr Wesseling, der Entdecker, machte weitere Feststellungen und Proben. Im Vorfrühling dieses Jahres (1925) verbanden sich Herr Jean Uhrmacher und Herr Wesseling wieder zu dem Plan, das Naturtheater-Problem zu lösen. Dieses Mal auf einem anderen Wege, und siehe es gelang. Die Idee ist Wirklichkeit geworden. Herr Uhrmacher scheute keine Kosten, Herr Wesseling betrachtete es als liebevolle Aufgabe die Arbeit zu leisten. Heute ist es getan.


Es folgten Jahre mit einem Repertoire von hochkarätigen Aufführungen vor bis zu 2.000 Zuschauern. - Heute ist der See verlandet, der Felsenkessel fast zuge-wachsen; der Zauber dieses besonderen Ortes wirkt aber immer noch.



Foto aus dem Buch „Oberkassel im Spiegel alter Ansichtskarten" von Willi Hey.

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Der zweite Bahnhof in Oberkassel

Der zweite Bahnhof in Oberkassel war eigentlich nur eine Haltestelle der Siebengebirgsbahn. Diese elektrische Straßenbahn verkehrte ab 1911 zunächst nur einspurig zwischen Bonn und Oberdollendorf. Erst 1913 wurde die Strecke bis Königswinter und schließlich 1925 bis Bad Honnef verlängert. Bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fuhren die Wagen des abgebildeten Typs; im Berufsverkehr mit vier Waggons, je ein Triebwagen vorne und hinten, zwei Anhänger dazwischen. Vier Schaffner und ein Fahrer waren dafür nötig.

Das geräumige Bahnhofsgebäude von Oberkassel bot Platz für zwei Dienst-wohnungen, zwei Wartesäle und Restauration, die über Jahrzehnte von der Familie Habbig geführt wurde.
1960 wurde diese Haltestelle abgelöst von den Haltepunkten an der Aisstraße und an der Zipperstraße. Statt „Siebengebirgsbahn" heißt die Verbindung heute ganz unromantisch Linie 66, Telekom Express (nach ihrem Sponsor).

Das Gebäude ist ebenso wie das Schrankenwärterhaus an der Zipperstraße noch immer im Besitz der Elektrischen Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises (SSB); die Wohnungen sind an Betriebsangehörige vermietet.



Foto aus dem Buch „Oberkassel im Spiegel alter Ansichtskarten" von Willi Hey.

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Die Fähre Oberkassel - Plittersdorf

Im Jahre 1907 bekam Peter Hei die Erlaubnis zum Betrieb einer Fähre mit dem Motorschiff „Anna" zwischen Oberkassel und Plittersdorf. Für die wartenden Fahrgäste hatte die Gemeinde eine Wartehalle gebaut. Peter Hei erhielt außerdem am 17.05.06 die Konzession zu einer kleinen Restauration mit Ausschank von VA/ein, Bier und alkoholfreien Getränken. Später ruhte wohl für einige Zeit der Betrieb.

Mit dem Kauf eines Eisennachens richtete Peter Hei 1926 für seinen Sohn Heinrich, der 1923 das Rheinschifferpatent erworben hatte, erneut den Fährbetrieb ein. Bis zu etwa 20 Personen konnten bei einer Fahrt übergesetzt werden. Nach dem Namen seiner Frau nannte Heinrich Hei die Fähre „Christina". Die Anlegestelle in Plittersdorf lag stromab des Haus Carstanjen. Heinrich Hei starb am 02.01.36 an den Folgen eines Magengeschwürs.



Foto aus dem Buch „Oberkassel im Spiegel alter Ansichtskarten" von Willi Hey.

Die Gaststätte und der Fährbetrieb wurde von Martin Bauer übernommen. Dieser wurde im II. Weltkrieg mit dem Motorboot „Christina" dienstverpflichtet und in Rußland zur Fährtätigkeit eingesetzt. Wieder nach Oberkassel zurückgekehrt mußte er feststellen, daß die Gaststätte durch Beschüß völlig zerstört war. Den Fährbetrieb nahm er umgehend wieder auf. Von ihm übernahm Georg Käufer aus Mondorf den Fährbetrieb, bis dieser 1962 endgültig eingestellt wurde.

Die Gaststätte wurde von Werner Mißfeld und seiner Frau Klara an alter Steile wieder aufgebaut. Ab 1978 betrieb Eberhard Opgenort die Gaststätte kaufte das Haus 1982 und erweiterte es 1991 zu dem bekannten Ausflugslokal „Bundeshäuschen".

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Das St. Johannes-Krankenhaus Oberkassel

Unser Bild zeigt das „Johannis-Hospiz", Wilhelmstraße 87 (heute Adrianstraße). Viele Kinder wurden hier geboren, Kranke und Sterbende von den Schwestern gut umsorgt. Der Gedanke, in Oberkassel ein Krankenhaus zu errichten, stammt vom Pfarrer Johannes Frank. Zunächst mietete man Räume in der Cäcilienstraße 20 an, wo es bald sehr eng wurde. Man begann mit der Planung eines Neubaus, wozu der Erzbischof von Köln 1897 sein Einverständnis gab. 1902 wurde das Johannis-Hospiz bezogen von den damals tätigen barmherzigen Schwestern Martha, Agnes und Agatha. In den Neubau integriert waren eine Nähschule und ein Kindergarten. Letzterer wurde damals „Kinderbewahranstalt" genannt und befand sich im Souterrain, später in einem Nebengebäude. In der im ersten Stock straßenseitig eingerichteten Kapelle wurde im Juni 1905 die erste hl. Messe gefeiert. Später wurden Röntgenraum, Inhalatorium und Operationszimmer installiert. 1930 wurde ein nördlich benachbartes Wohnhaus hinzugekauft, das man „Villa" nannte und als Altersheim diente, (s.a. Willi Hey, Oberkassel im Spiegel alter Ansichtskarten, S. 33)




Johannis-Hospiz, Oberkassel bei Bonn.

Die Oberkasseler Bevölkerung hatte stets gute Beziehungen zu ihrem Krankenhaus. Die Gesangvereine verschönerten durch Lieder manche Feier des Hauses, und die Junggesellen-Bruderschaft schwenkte an den Kirmestagen regelmäßig für Schwestern und Patienten die Fahne. Auch die Kapelle wurde von der Nachbarschaft gerne besucht.


Die Schwestern des Hauses waren beliebt, denn sie beschränkten sich nicht nur auf die Arbeit im Krankenhaus, sondern waren auch in der ambulanten Krankenpflege tätig und leisteten Sterbehilfe in mancher Todesstunde. Als die Schwestern wegen Nachwuchsmangel ihr Wirkungsfeld in Oberkassel aufgaben, war das Ende des Krankenhauses nahe. Es wurde noch ein paar Jahre weitergeführt und im Jahre 1968 wegen Unrentabilität geschlossen. Der Abriß des Gebäudes erfolgte 1971. Die Katholische Kirchengemeinde gab das Grundstück im Wege der Erbpacht an die Aachener gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft ab. Diese errichtete 1975 auf dem ehemaligen Gelände des Krankenhauses 38 Wohnungseinheiten, die als Eigentumswohnungen verkauft wurden.


Heute erinnern an die Schwestern nur noch einige Gedenksteine an der Südseite der kath. Kirche und die Glocke aus dem Krankenhaus, die sich im Besitz des Heimatvereins Oberkassel befindet.

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Das Kinkeldenkmal in Oberkassel ist 100 Jahre alt

Bereits im Jahre 1904 erschien ein Aufruf zur Erstellung eines Denkmals für den 1815 in Oberkassel geborenen und 1882 verstorbenen Dichter, Politiker und Hochschullehrer Gottfried Kinkel. Der Aufruf war von 86 Persönlichkeiten, vorwiegend aus dem Rheinland unterzeichnet; darunter aus Oberkassel: Bürgermeister Schröter, Ernst Kalkuhl, l. G. Adrian, Ludwig Fromme, Julius Haletzki, H. J. Harffen, Alfred Hüser, Hugo Hüser, Dr. Klein. Dr. Reinermann u. and. In dem Aufruf wurde betont, daß die Ehrung dem Dichter und nicht dem Politiker gelten sollte. Auch Carl Schurz aus Amerika hatte sein Interesse an der Errichtung des Denkmals bekundet. In seinem Brief vom 21.11.1903 bittet er noch um nähere Einzelheiten. Dieser Brief befindet sich im Original im Archiv des Heimatvereins.




Kinkel-Denkmal, Oberkassel bei Bonn.

Die Enthüllung des Denkmals fand am Freitag, dem 29. Juni 1906 unter großer Beteiligung der Bevölkerung, der Bonner Studenten und der Oberkasseler Vereine statt. Die Festrede hielt Regierungsrat Dr. Joesten aus Bonn. Musikbeiträge lieferten die Oberkasseler Gesang-vereine „Quartettverein" und „MGV Cäcilia".


Den Platz für das Denkmal an der Hauptstraße stifteten Graf Ernst zur Lippe und die evangelische Kirchengemeinde je zur Hälfte. Das Denkmal schuf der Düsseldorfer Bildhauer Gustav Rutz. Dem aufmerksamen Betrachter des Denkmals entgeht nicht, daß die Weste des Dichters auf der linken Seite und nicht wie üblich rechts geknöpft ist. Die jonische Säule soll an Kinkels kunstgeschichtliche Lehrtätigkeit erinnern. An der Vorderseite des Denkmals ist in einem Medaillon seine Frau, Johanna Kinkel, geborene Mockel dargestellt. Einige Maikäfer erinnern an den Dichterkreis „Maikäferbund" um das Ehepaar Kinkel.


Die Reliefplatte an der Vorderseite des Denkmals trägt die Inschrift: DEM RHEINISCHEN DICHTER GOTTFRIED KINKEL DAS DEUTSCHE VOLK. Die drei übrigen Tafeln stellen das Rheinland, die Sieg und eine Szene aus dem Epos „Otto der Schütz" dar.


Nach den Festreden und der Übergabe des Denkmals an den Oberkasseler Bürgermeister Schröter fand im Saal des Hotels zur Post ein Festmal statt. Von der Familie Kinkel war die Tochter des Dichters, Frau Adelheid von Asten anwesend. Zur Musik spielte das Husaren-Regiment König Wilhelm l. (1. Rheinisches) Nr. 7 aus Bonn auf.

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Firma Hüser & Co., Betonwerk

Die Fa. Hüser wurde am 01. April 1870 in Oberkassel gegründet Damals kam der Kaufmann und Bauunternehmer Hartwig Hüser von Hamm/Westf. nach hier und übernahm die kleine Werkstätte der Fa. Sadee, in der Betonwerkstücke hergestellt wurden. Hartwig Hüser war ein mit besonderen Fähigkeiten begabter Mann, der schon früh die Möglichkeiten erkannte, die durch den neuen Baustoff Beton geboten wurden. Er realisierte die sogenannte industrielle Herstellung von Betonwaren für die Kanalisation (Zementrohre) Neben der Oberkasseler Zementfabrik wurde ein größeres Grundstück mit Sand- und Kiesvorkommen erworben, das auch einen Bahnanschluß hatte. Ein weiteres großes Grundstück an der Hauptstraße in Oberkassel, neben der Bierbrauerei ermöglichte es, das Fertigungsprogramm zu erweitem; so wurden jetzt auch Gehwegplatten und Bordsteine hergesteift. Außerdem befanden sich in Oberkassel die kaufmännische Verwaltung und die Reparaturwerkstätten.

Hartwig Hüser starb im Jahre 1899 während einer Sitzung des Deutschen Betonvereins in Berlin. Eine Gedenktafel auf dem Grab der Familie in Oberkassel erinnert an ihn. Die beiden Söhne Alfred und Hugo Hüser übernahmen nach dem Tode des Firmengründers die Ge-schäftsführung und gaben der Firma ein bedeutendes Ansehen. Zur frachtgünstigen Erschließung des Ruhrgebietes wurde in Düsseldorf-Reishoiz ein Zweigwerk errichtet. Weit über den rheinischen Raum hinaus erwarb sich die Fa. Hüser einen Ruf als Beton- und Ingenieurbau-Unternehmen. Das Bauunternehmen hat in den Jahren 1901 bis 1928 insgesamt 122 Brücken in Stampfbeton gebaut. Aber auch Industriegebäude, Fabrikanlagen, Wohnbauten und Schwimmhallen wurden erstellt In den Jahren der Hochkonjunk-tur waren 40-50 Angestellte und zeitweise 800 Maurer beschäftigt
Die Inflationszeit und die schlechte Wirtschaftslage brachten die Fa. Hüser nahe an den Ruin. 1933 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt Max Scheibler trat als gleichberechtigter Gesellschafter in die Firma ein, die sich nur noch mit der Betonwarenherstellung befasste. Den Betrieb der Bauuntemehmung hatte man eingesteift.

Am 05.01.38 starb Dr. Alfred Hüser. Er hatte sich an der Simonstraße 13 eine Villa gebaut, die heute im Beste der Jierz-Jesu-Priester* ist Die Gemeinde Oberkassel hat eine Verbindungs-straße zwischen Königswintererstraße und Bemhardstrafie nach Hartwig Hüser benannt Durch die Wirren des II. Wettkrieges wurden alle Fabrikhaien, Büros und Nebengebäude schwer beschädigt Erst nach der Währungsreform besserte sich die Geschäftslage. 1948 trat Dr, Ing. Werner Bansen als Geschäftsführer in die Fa. Hüser ein. Er schuf die Grundlagen für die Herstellung vorgefertigter Bauteile. Infolge der allgemeinen Wirtschaftslage steSte die Fa. Hüser Ende Oktober 1976 ihren Betrieben.

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Alfred Erich Euchler

Der Heimatverein Oberkassel hat in seinem Sitzungsraum im Alten Rathaus in Oberkassel ein Ölgemälde hängen, das einen Blick von Oberdollendorf auf das Rheintal freigibt. Rechts im Bild ist die Oberkasseler Zementfabrik zu erkennen. Das schöne Bild ist signiert mit A. E. Euchler, Düsseldorf. - Wer war A. E. Euchler?



Alfred Erich Euchler wurde 1888 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Er wohnte von 1913 bis 1929 zunächst in Oberkassel. Sein Sohn Wolfgang besuchte das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium. 1920 zog die Familie Euchler nach Oberdollendorf in die Bachstraße, Ende der 20er Jahre nach Koblenz.
Euchlers Werdegang als Künstler begann in der Kunstgewerbeschule Elberfeld, führte über die Kunstakademie Düsseldorf zur Akademischen Malerschule Koblenz, dessen Direktor er war, bis 1933 die Malerschule geschlossen wurde. Euchler schrieb damals an Goebbels: "Verbieten Sie der Sonne das Scheinen. Genau so (wenig) können Sie mir das Malen verbieten."

Nach dem Kriege übersiedelte Euchler in die damalige DDR. In Weimar eröffnete er ein eigenes Atelier. Der Nationalpreis für sein großes Bild „Die Schuld" wurde ihm wegen seiner politischen Einstellung abgelehnt, da der Künstler zur CDU und nicht zur SED tendierte. Viele seiner Werke wurden in Weimar vom Staatssicherheitsdienst beschlagnahmt.

Am 07.02.1967 starb Alfred Erich Euchler in Mayen. Die Stadt ehrte den Künstler mit einer Ausstellung vom 15. bis 30. November 1975 in der Genovevaburg.

Euchler hat viele Motive auch aus unserer Heimat festgehalten. Nachstehend eine Radierung von 1917, die die „Kalkuhl'sche Realschule Obercassel-Bonn" darstellt.

     
 

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Der erste Steinzeitmensch

Aus der Serie „Denkmäler - mehr als bloß Schmückwerk“ des Bonner Stadtmagazins SCHNÜSS – Nr. 02-2009 von Helena Baers Der erste Steinzeitmensch von Volker Eichler Vor 95 Jahren machten Arbeiter im Steinbruch Rabenley am Stingenberg in Ober-kassel eine historisch bedeutsame Entdeckung: Ein Grab mit zwei menschlichen Skeletten. Schnell stellte sich heraus, daß diese schon etwas länger dort lagen. Wie man heute weiß, ist das sogenannte „Doppelgrab von Oberkassel“ ungefähr 14.000 Jahre alt und damit ein einmaliger Beleg aus dieser Zeit. An den Fund erinnert ein steinerner Brunnen mit dem Eiszeitmenschen, der anfangs sogar als „Homo ober-casseliensis“ bezeichnet wurde. Zeitgleich mit dem Bau der Siedlung „Am Kriegers-graben“ wurde der Brunnen von Volker Eichler gestaltet und befindet sich seitdem in der Mitte eines Rondells in der Siedlung, umgeben von Sitzbänken Dabei hockt der Oberkasseler Mensch im Brunnen auf einem erlegten Bären. Als Wasserspeier dient dessen Maul. Historisch korrekt ist diese Statue al-lerdings nicht. Das liegt zum einen daran, daß der Fund 1953 noch auf 40.000 Jahre alt geschätzt wurde – und deshalb auf der Gedenktafel am Brunnen noch das falsche Datum prangt. Außerdem war der Mann in seinem Grab ja nicht alleine: Zusätz-lich zum Skelett des um die 50 Jahre alten Mannes ruhte auch eine Frau von Anfang 20 in der Begräbnisstätte. Der erste Oberkasseler Mensch hat wohl auch anders ausgesehen, als ihn Volker Eichler darstellt: Während dessen Eiszeitmensch nackt ist und mit einem sehr grobschlächtigem Ge-sicht ausgestattet ist, war der wirkliche nach heutigem Stand der Wissenschaft be-kleidet und wohl auch nicht mit so einem abstoßenden Äußeren ’gesegnet’. Dennoch, der damalige Mensch war ein Jäger und Sammler – und so ist das Jagd-Szenario durchaus realistisch. Im Grab wurden auch verschiedene Tierknochen und Tierzähne gefunden, unter anderem auch mehrere vom Braunbären. Daß die beiden Menschen aus der Eiszeit ausgerechnet in Oberkassel begraben wurden, ist purer Zufall. Damals zogen die Menschen umher und wechselten oft ihre Aufenthaltsorte. Für die Forschung besonders wichtig sind vor allem die anderen Stücke, die noch im Grab gefunden wurden: Zwei handgeschnitzte Knochen, nämlich eine Tierfigur und ein Stab mit einem geschnitzten Tierkopf, sind bisher einmalig. Auch das Skelett ei-nes Haushundes brachte der Wissenschaft neue Erkenntnisse; Schon in der letzten Eiszeit waren Hunde die besten Freunde des Menschen. Heute befinden sich die Knochen im Rheinischen Landesmuseum Bonn und sind allen interessierten Besu-chern zugänglich. Einige Ideen, dem Menschen von Oberkassel ein historisch kor-rektes Denkmal zu setzen, gibt es auch schon.

 
     
 

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Hüsersche Fabrik

Wer mit offenen Augen durch Oberkassel geht, findet am Haus Simonstraße 14/14a eine Inschrift mit der Geschichte des Hauses: „Hüsersche Fabrik Das in Massivbauweise mit Betonkappendecken vor 1870 errichtete Gebäude repräsentiert einen der ersten Hochbauten dieser Art. Hier erfolgte eine erste Herstellung von Betonwerkstücken für Gebäude durch August Sadée. 1870 Gründung der „Gesellschaft für Zement-Stein-Fabrikation Hüser & Cie“ als Beginn einer bedeutenden industriellen Fertigung von Betonwaren in Oberkassel. Infolge der Erweiterung des Fabrikationsprogramms wurde die Produktion ins nördliche Oberkassel verlegt. Um 1902 Erwerb des Gebäudes durch den Kölner Fabrikanten Julius Forster. Ausbau zum Reit- und Fahrstall mit Kutscher- und Gärtnerwohnung durch den Berliner Architekten und Geheimen Baurat Otto March. Dabei Verwendung von Fachwerkelementen im Tudorstil. Gestalterische Einbeziehung von Gebäude und Grundstück in den Park des Landhauses Forster. Entkernung und Sanierung zu einem modernen Wohngebäude unter Berücksichtigung der konstruktiven Stilelemente.“ In unserer Schrift „Oberkasseler Persönlichkeiten“ beschrieb Dr. Aenne Hansmann Leben und Wirken von Hartwig Hüser. Unser Mitglied Heidrun Schmidt-Adler berichtete über das Leben von Julius Forster und über seine Verbindung zu Otto March, dem Architekten der 1908 gebauten neuen Evangelischen Kirche.

 
     
 

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August Sadée, Zementsteinfabrikant

Helga Möller, geb. Sadée, Weilheim, Urenkelin von August Sadée berichtet:

August Sadée, Zementsteinfabrikant in Oberkassel (* Köln 1821, + Bonn 1890) aus den Erinnerungen seines Sohnes Emil Sadée * Köln 1868, + Bad Godesberg 1945 Der Kaufmann August Sadée war nach seiner Heirat 1850 zuerst in Stettin tätig und zog dann nach Köln. Durch seinen Schwager Hermann Bleibtreu, den Erfinder des deutschen Portlandzementes und Gründer der beiden ersten deutschen Zementwerke in Züllchow bei Stettin und bei Oberkassel bekam er Interesse für den Zement. Die Firma Sadée und Poensgen stellte Platten und Röhren aus einer Mischung von Zement und Sand her. 1868 zog August Sadée nach Oberkassel und wurde Direktor der Aktiengesellschaft für Zementfabrikation: Bodenplatten, Röhren, Dachplatten. Bei den schweren Stücken, die hohen Druck aushalten mußten, wurde Basaltkleinschlag mit Zement vermischt. Das war lange vor der Erfindung des Franzosen Beton, nach dem das heute gebräuchliche Verfahren benannt ist. August Sadée war ein erfinderischer Kopf, aber von Natur kein Kaufmann. So gab es geschäftliche Schwierigkeiten. Der Aufsichtsrat stellte ihm einen kaufmännischen Direktor an die Seite, Hartwig Hüser. Sadée faßte das auf als einen Versuch, ihn zu verdrängen und trat 1875 aus. Er wurde krank. Vermutlich durch Vermittlung zweier Jugendfreunde bot er 1876 dem Kriegsministerium seine Erfindung der unter hohem Druck gepreßten Mischung von Zement und Kleinschlag zur Deckung bombensicherer Räume für die norddeutschen Festungen an. Bis dahin mußte mit hohen Frachtkosten Niedermendiger Lava bezogen werden. Für die Herstellung des Kleinschlags konnte man aber die massenhaft in Norddeutschland vorhandenen Findlingsblöcke benutzen und dann die Kunststeine an Ort und Stelle herstellen. Das Kriegsministerium ging auf seinen Vorschlag ein, und längere Zeit arbeitete Sadeé nun in Stettin, Spandau, Küstrin und Königsberg, indem er die Ingenieuroffiziere und Bautruppen in der Herstellung seiner Steine unterwies. Er erhielt dafür Tagegelder und später eine Summe von 5.000 Talern = 15.000 Reichsmark. Nach seiner Rückkehr gründete er in Oberkassel ein neues Geschäft, als Konkurrenzfirma zur weiter bestehenden Aktiengesellschaft. Diese hat sich übrigens später umgewandelt in die Firma Hüser und Co, deren technischer Leiter ein wissenschaftlich gebildeter Ingenieur Metzger wurde. Er und Hüsers Söhne haben das Geschäft zu hoher Blüte gebracht, besonders im Weltkrieg (Westbefestigungen). Erst die Inflationszeit brachte einen schweren Rückschlag. Geldgeber für August Sadées neues Unternehmen war der Steinbruchbesitzer Christian Uhrmacher aus Oberkassel. Die Benutzung fremden Geldes brachte Sadée in gefährliche Abhängigkeit; denn wenn bei zeitweiligem Mißerfolg der Teilhaber sein Geld zurückzog, drohte der Zusammenbruch. So kam es Anfang 1881: Das Geschäft wurde stillgelegt, und Uhrmacher ließ sogar, um Druck auf die Familie auszuüben, an deren Grundeigentum die Möbel pfänden. Die Pfändung konnte erst durch einen Prozeß aufgehoben werden, da die Ehefrau Antonie geb. Bleibtreu nachweisen konnte, daß kraft des Ehevertrags Gütertrennung bestand und die Einrichtung aus ihrer eigenen Aussteuer stammte. Wieder wurde August Sadée krank und zog im Frühjahr 1881 nach Bonn, wo er nach mehreren Schlaganfällen 68-jährig verstarb. Auf die Erfindungen von August Sadée (hier: Betonkappendecke) weist heute eine Tafel am Hause Simonstraße 14/14a in Oberkassel hin.